Wer bist du, wenn du niemand sein musst?

Ist dir schon mal aufgefallen, dass du dich in unterschiedlichen Situationen anders verhältst?

Weißt du wer du bist, wenn du niemandem gefallen musst? 

Weißt du wer du bist, wenn du keine Maske trägst?

Unsere Einflüsse

Wir sind konditioniert und geprägt worden mit Beginn unserer Geburt – ich bin mir sogar sicher, und das vermuten auch andere Psychologen (z.B. Eric Berne), dass diese Prägung und Konditionierung bereits im Mutterleib stattfindet.

Uns prägten schon die Ängste und die Sorgen, die unsere Mutter mit sich herum trug, noch bevor wir geboren wurden.

Eigentlich könnte man sagen:
„Sorry, ich bin so wie ich bin, weil meine Mutter während ihrer Schwangerschaft unglücklich war.“

Ist das wirklich so? 

Wie gesagt, diese Einflüsse und viele weitere bekommen wir von außen bereits sehr früh mit. Das ließe sich vermutlich nur verhindern, wenn den Beteiligten bewusst wäre, welche Gedanken sie besser pflegen und welche Gedanken sie ganz vermeiden sollten (und das auch unabhängig von einer Schwangerschaft). 

Wer ist verantwortlich? 

Jeder Mensch steht vor bestimmten Herausforderungen in seinem Leben. Einige hat es im Vergleich vielleicht besser getroffen als andere.  

Zum Beispiel kann ein Kind, das in einer scheinbar wohlhabenden Umgebung aufwächst unglücklich sein, weil die Eltern keine Zeit haben für Nähe und Liebe.
Und ein Kind, das in einer eher ärmlichen Umgebung aufwächst, kann glücklicher sein, weil es eine tiefere und nähere Familienbindung wahrnimmt. 

Wir sind natürlich nicht verantwortlich für die Dinge, auf die wir keinen direkten Einfluss haben oder für die Dinge, die uns passierten, als wir völlig abhängig waren.
Wir haben gelernt von allem und jedem.
Und wir passten uns an, um zu überleben.

Ich denke, es wäre etwas zu einfach die Verantwortung für das eigene Verhalten und seine aktuelle Situation den Eltern oder dem damaligen Umfeld zu übertragen und sich dahinter zu verstecken.  

Denn mit dem Erwachsen werden erhalten wir die volle Verantwortung für unser Leben zurück. Wir wachsen heraus aus der Rolle des Kindes in die Rolle, die wir spielen wollen.  

Bist du schon DU?

Selbst wenn uns schon früh Steine in den Weg gelegt wurden, so ist das JETZT unsere Chance damit zu arbeiten und zu der Person zu werden, die wir wirklich sein wollen.
Das zu tun, was sich für uns richtig anfühlt. 

Hast du dich selbst schon mal dabei ertappt und gesagt: „Ich kann das nicht!“ oder „Ich bin so wie ich bin, weil ich dies oder das erlebt habe?“

Wenn du etwas außerordentlich gut gemacht hast, oder etwas erreicht hast, von dem du glaubtest, du schaffst es nicht, sagst du da auch: „Das habe ich geschafft, weil meine Kindheit nicht so rosig war“ oder sagst du: „Ich habe das geschafft, weil ich stark war und nicht aufgegeben habe“?

Ich kann mich hinter meinen Ausreden verstecken und mein Leben mit anderen „besseren“ Leben vergleichen und daraus schließen, es nicht besser zu können, weil mir dies oder jenes fehlt… oder ich sage mir, dass ich bereits schon viel geschafft habe, trotz allem Schmerz und allem Leid. Und ich schaffe noch weitaus mehr, wenn ich will.

Übrigens lernen wir fast ausschließlich aus dem Schmerz, oder würdest du nochmal auf eine Herdplatte fassen, wenn du dich bereits verbrannt hast?
Wenn wir Leid erfahren, wollen wir es in Zukunft natürlich vermeiden – dazu müssen wir jedoch erst wissen, was Leid für uns bedeutet.

Wenn ich aus dem Schmerz, den ich empfunden habe, nichts für mich ableite, dann war der Schmerz nicht groß genug, oder der Leidensdruck zu gering, um etwas zu verändern. Oder ich entscheide mich bewusst gegen eine Veränderung, vielleicht aus Angst vor dem Unbekannten und Neuen, sodass ich den Schmerz akzeptiere und mich mit der Situation arrangiere.

In jedem schwierigen Lebensumstand wachsen wir. Und nur da.

Unsere Entwicklung und warum wir uns verschiedene Masken aufsetzen 

Ein Säugling ist zu 100% abhängig von seinem Umfeld ist, in das er hineingeboren wird. Er schreit instinktiv, um das zu bekommen, was zum Überleben wichtig ist. 

Erst ab dem 3. Lebensjahr beginnt ein Kind zu begreifen, dass es ein Individuum ist und die Möglichkeit hat, Einfluss zu nehmen (nicht „nur“ durch Schreien). Es begreift, dass es ein Mensch ist und wie es sich verhalten muss, um seine Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. 

Mit der Zeit haben wir uns viele verschiedene Rollen angeeignet.  
Das war eine Art Empathietraining, denn wir haben uns in andere Menschen hineinversetzt, um zu verstehen, wie sie auf uns aufmerksam wurden.

  • „Wie verhalte ich mich, damit Mama nicht sauer auf mich wird?“
  • „Wenn Mama schimpft, bekomme ich auch Aufmerksamkeit. Wie stelle ich das an?“
  • „Was muss ich tun, damit ich noch etwas Süßes bekomme?“ 
  • „Was mache ich, damit Papa stolz auch mich ist?“

Das sind Fragen, die wir uns unbewusst gestellt haben. Wir haben instinktiv gewusst, was uns gerade fehlt und überlegten, was wir anstellen, um zu bekommen, was wir brauchten. 

Also wer sind wir, wenn wir niemand sein müssen? 

Es gibt verschiedene Situationen, in denen ich mich anders verhalte. Mit meiner Freundin spreche ich zum Beispiel anders als mit meiner Mutter oder meinem Vater. Vielleicht haben wir die Muster aus der Kindheit auch noch nicht ganz abgelegt und wollen auch da noch die Aufmerksamkeit und gefallen, oder beweisen, dass wir etwas können und etwas sind.

Das ist unser Leben. Und je nachdem, was wir uns Wünschen oder welches Ziel wir verfolgen, finden wir uns irgendwann in einer Rolle wieder.

Aber entfernen wir uns da nicht auch immer mehr von uns selbst? 

Es sind unsere Bedürfnisse, die erfüllt werden wollen.  

Das heißt also, unsere Rollen kommen dann zum Zug, wenn wir einen Mangel verspüren. Wenn wir zum Beispiel Aufmerksamkeit und Anerkennung brauchen und nicht in der Lage sind, diesen Mangel selbst zu erfüllen.

Wir passen uns an unsere Umgebung an, um möglichst alle Bedürfnisse erfüllt zu bekommen.  

“Wie bei einem Theaterstück kommt es beim Leben nicht darauf an, wie lange es dauert, sondern wie gut es gespielt wird.”

SENECA

Oder wir wenden uns ab, um uns klar abzugrenzen und unseren Wunsch nach Autonomie und Unabhängigkeit zu befriedigen.  

Und doch fehlt uns immer irgend etwas. Manchmal ist uns nicht bewusst, was uns gerade fehlt und wir werden, traurig, frustriert, erschöpft, unruhig oder sogar krank.

Oder uns geht es schlecht, weil wir uns zu sehr verbiegen. Weil uns unsere Maske nicht passt…

Deshalb sei dir bewusst, dass wir uns alle bis zu einem gewissen Punkt verstellen.
Die Frage ist, wie wohl fühlst du dich selbst dabei und möchtest du diese Maske gerade tragen?

Wenn deine Antwort „Nein“ ist, dann entscheide dich für dich selbst.
geh an dieser Stelle nicht weiter, sondern geh in dich. Frage dich zwischendurch immer mal:

Tut mir das gut?
Was habe ich davon?
Wie ehrlich bin ich mir selbst gegenüber?

Wir dürfen mehr wir selbst sein. Ohne Maske.

Oder was denkst du?

Danke, dass du dir meine Gedanken durchgelesen hast.
Deine interessieren mich auch.
Deine Julia

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2 thoughts on “Wer bist du, wenn du niemand sein musst?

    1. Liebe Darja,
      vielen vielen Dank für dein Feedback. Es freut mich sehr, wenn es dir gefällt.
      Wenn du Fragen hast oder gerne über ein bestimmtes Thema lesen möchtest, sag mir gerne bescheid 🙂
      Liebe Grüße
      Julia

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