Hast du Erwartungen…?

…an dich selbst, an die Umgebung und an die Menschen um dich herum?

Ich möchte dir in diesem Blog-Post erzählen, was es mit unseren Erwartungen auf sich hat.
Wie sie uns blockieren können und wie sie uns motivieren.

Was sind Erwartungen?

Erwartungen sind häufig nichts anderes, als nicht offen ausgesprochene Wünsche, in der Hoffnung, sie werden erfüllt durch andere oder unsere Umgebung. Wir warten auf die Erfüllung.

Wenn sich unsere Erwartungen erfüllen, freuen wir uns, oder (das wäre eher schade) wir nehmen die Erfüllung als selbstverständlich hin.
Wenn sich unsere Erwartungen jedoch nicht erfüllen, wem geben wir dann gerne die Schuld?
Demjenigen oder dem Umstand, der sie nicht erfüllt hat?

Oder schauen wir auf uns selbst?
Gerade wenn wir glauben, die erfüllte Erwartung sei selbstverständlich, werden wir umso frustrierter, wenn sie nicht eintrifft.

Aber warum ist das so?

Ist es wirklich selbstverständlich?

Vielleicht müssen wir erst verstehen was „selbstverständlich“ bedeutet.

Jeder hat ein eigenes SELBST-Verständnis.
Wir empfinden und verstehen Dinge in unserem Leben immer ein Stück anders als der Mensch, mit dem wir gerade reden. Das liegt daran, dass jeder von uns in seinem Leben andere Erfahrungen gesammelt hat und diese dann mit dem Gesagten verbindet.
Es kann sein, dass einige Dinge beim Sprechen mit dem übereinstimmen, was der andere auch denkt oder glaubt. Dann fühlen wir uns verstanden.
In unserem Kopf wird alles gefiltert, was wir selbst für sinnvoll oder logisch bewerten und was eben unserer Erfahrung entspricht.

Man kann auch sagen, wir hören und sehen das, was wir bereits kennen. Wenn etwas Neues hinzukommt, sollte es mit etwas Bekanntem in Verbindung stehen, ansonsten wird es schlicht überhört oder übersehen und schnell vergessen. Jeder Mensch achtet auf andere Dinge und nimmt die Situationen nicht exakt so wahr, wie jemand anderes in der gleichen Situation.

Die Annahme, es sei selbstverständlich trifft also immer nur auf mich selbst zu.

Erwartungen an Menschen

In einem Gespräch kann der Eindruck entstehen, der andere versteht mich oder sieht meinen Punkt ähnlich wie ich, wenn mein Gesprächspartner mir zustimmt (mit dem Kopf nickt) und keine weiteren Fragen mehr hat.

Wir wundern uns manchmal, dass dann doch etwas völlig anderes dabei herumgekommen ist, als wir ursprünglich annahmen oder erwarteten.

Übrigens:
Bei einem Witz erwarten wir sogar enttäuscht zu werden.
Die „Enttäuschung“ ist dann die unerwartet lustige Pointe

Der Jockey ist als letzter durchs Ziel gegangen.
Der Rennstallbesitzer schimpft: „Zum Teufel, Sie hätten bestimmt schneller sein können!“

„Klar“, sagt der Jockey, „aber ich musste das Pferd mitnehmen“.

Je schwieriger das Thema oder je fremder die Person, desto eher tolerieren wir, wenn der andere uns nicht versteht.

Bei wichtigen Themen ist es daher sicherlich sinnvoll, wenn ich selbst Fragen stelle, um mich zu vergewissern, was mein Gegenüber verstanden hat und ob das, was mir wichtig war, auch angekommen ist.

Während ich so schreibe, fällt mir gerade ein Beispiel ein.
Bei einer geplanten Verabredung wurde mir sehr bewusst, wie unterschiedlich Informationen verstanden werden können und wie enttäuscht wir sind, wenn wir Erwartungen haben.

Meine Freundin und ich hatten vor uns zu verabreden. Dabei wollte ich mich nicht ganz auf eine Uhrzeit festlegen, da ich vorher noch einen anderen Termin hatte. Also sagte ich: „Ich komme dann zwischen 18:30 Uhr und 19:00 Uhr.“
Meine Freundin stimmte mir zu und ich bin davon ausgegangen, dass wir uns sehen (meine Erwartung). Als ich um kurz nach 18 Uhr auf mein Handy schaute, sah ich eine Nachricht von ihr. Sie hat sich nun mit jemandem anders verabredet, da sie nicht wusste, ob ich komme oder nicht…
Ich war davon ausgegangen, dass sie meine Aussage tatsächlich als Zusage für ein Treffen auffasste. Das war meine Annahme, die ich für „selbstverständlich“ hielt – und sicherlich auch etwas enttäuscht war, dass es nicht zu dem Treffen kam.

So etwas passiert vermutlich in vielen unterschiedlichen Situationen.

Wir erwarten von unseren Liebsten mehr…

…und sind emotional enttäuschter, wenn gerade sie unsere Erwartungen nicht erfüllen.

Menschen, die wir nicht leiden können, enttäuschen unsere Erwartungen viel seltener als die anderen.

Ernst Ferstl

Wir erwarten

  • von unseren Kindern, dass sie ihr Zimmer aufräumen.
  • Von unseren Partnern, dass sie den Müll rausbringen, bevor er anfängt zu stinken
    (also der Müll, nicht der Partner)
  • dass wir verstanden werden, wenn wir schlecht gelaunt sind – ohne ein Wort zu sagen.
  • Freundlichkeit
  • dass wir etwas zurückbekommen, wenn wir etwas geben…
  • Sonnenschein, wenn wir im Urlaub sind

Insbesondere in Beziehungen sind wir geprägt von Erwartungen in unseren Partner und in die Partnerschaft.

Mein Partner soll

  • mich lieben
  • für mich da sein
  • liebevoll sein
  • treu und loyal sein
  • Verständnis haben

Diese Liste lässt sich noch weiterführen, aber ich glaube, du erkennst, was hier gemeint ist.

Unzufrieden durch Erwartungen

Wir haben so viele Erwartungen in vielen Situationen in unserem Leben, so dass wir permanent enttäuscht durch die Gegend laufen, weil irgend etwas davon mal wieder nicht erfüllt wurde.

Wir verstehen nicht, dass wir uns gegenüber unserem Partner oder unseren Freunden und uns selbst unfair verhalten, wenn wir unsere Wünsche oder Annahmen nicht offen kommunizieren.

Dabei tappen wir schnell in diese Unzufriedenheitsfalle und machen den Gegenüber dafür verantwortlich.

Wenn ich mich dabei ertappe in dieser Falle gefangen zu sein, stelle ich mir auch die Frage:

Kann ich mir meine Erwartung selbst erfüllen? und Erfülle ich sie für andere?

Es geht zum Beispiel um das Thema Liebe – Ich erwarte in einer Beziehung geliebt zu werden…
Wenn ich Zweifel habe, dann stelle ich mir die Fragen:

  • Kann ich mich selbst lieben, so wie ich bin?
  • Kann ich mir selbst das geben, was ich von anderen verlange?
  • Gebe ich meinem Partner das Gefühl geliebt zu werden?
  • Was braucht mein Partner, um sich geliebt zu fühlen?

Warum machen wir den anderen verantwortlich für unsere Enttäuschung?

Wir nehmen an, dass der andere unsere Bedürfnisse kennt und sie (bereitwillig) erfüllt. Und das am liebsten ohne, dass wir uns äußern müssen.

In gewisser Weise ist das auch ein schöner Gedanke, denn es bedeutet, dass wir Vertrauen haben und auf den anderen zählen können.

So schaffen wir uns jedoch ein Idealbild von dem Menschen, mit dem wir zu tun haben. Das wird er nicht zu 100% erfüllen (und muss das auch nicht).
Und jedes Mal, wenn wir das realisieren, sind wir ein klein wenig enttäuschter und reagieren frustriert oder verärgert.

Dabei liegt das nicht an den Menschen, sondern an unseren Ideen von diesen Menschen um uns herum. Wir geben ihnen eine Rolle, die sie erfüllen sollen. Wir bestimmen die Regeln für diese Rolle.
Und wir reagieren enttäuscht, wenn sie aus der Rolle tanzen, die wir für sie geschrieben haben.

Bewusstsein für die eigenen Erwartungen

Vielleicht klingt das sehr übertrieben für dich, aber wenn du dich mal damit beschäftigst, wie oft du durch deine Erwartungen in andere enttäuscht wirst, fällt dir bestimmt auch das eine oder andere Beispiel ein.

Ist es angebracht, beleidigt oder verärgert über den anderen zu sein?
Oder sollten wir unser Denken anpassen?

Ich meine hier nicht, dass wir keine Grenzen haben dürfen und auch nicht, dass wir keine Wünsche haben sollen.

Wenn ich zum Beispiel respektlos behandelt werde, ist meine Erwartung ja „respektvoll behandelt werden“ – ich renne da auch nicht mit einem Schild durch die Gegend auf dem steht: „Behandelt mich respektvoll!“ – Ich denke, wenn jemand diese (meine) Grenze überschreitet, ist es angebracht demjenigen mitzuteilen, dass das nicht in Ordnung war. Meist sind sich die Menschen dessen nicht bewusst, denn ich habe in meinem Leben irgendwann entschieden, was ich respektlos finde und was nicht. Und das ist es, was wir durchaus äußern sollten. Wenn ich blind davon ausgehe, dass die Person weiß, was ich respektlos finde und mich innerlich darüber ärgere, dann hilft es mir nicht weiter. Es könnte jederzeit wieder passieren.

Es hilft auch der anderen Person nicht, denn auch sie weiß nicht, welche Grenzen ich habe, wenn ich sie nicht äußere.

Wir packen Personen dann schnell in die Unsympathisch-Kiste und übersehen, dass die- oder derjenige eigentlich doch sehr nett ist.

Eine Frage der Perspektive

Eine Enttäuschung, ist gleichzeitig auch das Ende einer Täuschung.

Das heißt, wir haben uns mit unserer Annahme schlicht getäuscht. Wir können niemanden dafür verantwortlich machen.

Wenn wir enttäuscht sind über die unerfüllte Erwartung, haben wir in gewisser Weise geglaubt, wir hätten die Kontrolle über die Situation oder die Person. Wenn die Erwartung dann ausbleibt, empfinden wir einen Kontrollverlust. Dabei ist uns vielleicht gar nicht bewusst, dass wir diese Dinge nicht kontrollieren können. Wenn wir das verstehen, lässt sich die jeweilige Situation viel besser akzeptieren.

Ich denke zum Beispiel darüber nach, ob meinem Partner tatsächlich klar war, was ich von ihm erwartet habe. Wenn nicht, dann sollte ich es dabei belassen und mich weder über ihn noch über mich selbst ärgern. Ich werde meine Erwartungen und Wünsche offen äußern und mein Gegenüber entscheidet, ob er bereit ist, mir diesen Gefallen zu tun.

Du freust dich an der Schneeflocke, wenn sie vom Himmel fällt,
den Regentropfen aber verachtest du.

Christina Telker

Habe ich meine Erwartung vorher klar kommuniziert und sie wurde nicht erfüllt, ist es sinnvoll auch das klar (und liebevoll) anzusprechen.
Kommt es erneut vor, so überlege ich mir, ob meine Erwartung zu hoch ist, oder ob ich mich von dem Gedanken löse, gerade diese Person um den gewünschten Gefallen zu bitten.

Bin ich verärgert darüber und werde sauer, oder habe das Gefühl ohnmächtig in meinem Handeln zu sein, gebe ich der anderen Person die Verantwortung dafür und somit die Macht über mich selbst ab.

ABER

Vielleicht sagst du, das ist ja alles schön und gut –

ABER stell dir doch mal vor, ich gebe einer Person einen Auftrag und dieser wird nicht wie erwartet erfüllt, außerdem bin ich abhängig von dem Ergebnis, denn das war ein Teil meines Projektes, an dem ich gerade arbeite.
Und das muss ich morgen abliefern…darüber kann ich mich ja nur ärgern!!!

Da würde ich dir antworten: :- )

Natürlich darfst du dich ärgern, wenn das dein Wunsch ist.

Ich würde dir auch ein paar Fragen stellen:

  • War dieser Person das tatsächlich klar?
  • Ist der Arbeitsauftrag für die Person so eindeutig gewesen, dass sie ihn nach deinen Wünschen erfüllen konnte?
  • Hat diese Person ihre Arbeit bisher immer gut erledigt und nur in diesem Fall versagt? (Dann denke noch mal an die vorherige Frage)
  • Oder kanntest du die Person nicht und hast dich auf gut Glück auf das Ergebnis verlassen und erwartet, dass es gut wird?
  • Warum war der Zeitplan so begrenzt, dass keine Möglichkeit für Ausbesserung bestand?

Und meine letzte Frage:
Welches Ergebnis erzielst du, wenn du dich darüber ärgerst und deinen Frust auch noch lauthals nach außen trägst?

Ein Leben ohne Erwartungen?

Jetzt habe ich dir die ganz Zeit etwas darüber geschrieben, warum Erwartungen uns eher blockieren. Wann können uns Erwartungen denn motivieren?

Ich denke:

  • Wenn wir nicht negativ auf unerfüllte Erwartungen reagieren
  • Wir können unsere Wünsche anderen gegenüber offen kommunizieren
  • Wenn wir dankbar für die Dinge sind, die passieren. Besonders dann, wenn wir es nicht offen kommuniziert haben.
  • Wenn wir den Blick für die „unerwarteten“ Dinge nicht verschließen. Denn auch Unerwartetes kann eine Bereicherung sein.

Ein Leben ohne Erwartungen ist alles andere als langweilig

Denn wenn wir nicht schon vorher „wissen“ was passieren soll, sind wir viel offener für die Dinge, die tatsächlich unerwartet geschehen.

Und das kann wirklich wundervoll sein.
Denk daran, alles was passiert wird von dir als gut oder schlecht bewertet. Wenn du keine Erwartungen hast, wirst du gelassener und akzeptierst die Dinge, die du eh nicht kontrollieren kannst. Das gibt dir die Möglichkeit auch in „schlecht“ bewerteten Situationen das „Schöne“ zu erkennen!

Lass dich drauf ein.

Und schreib mir, was du dazu denkst.

Deine Julia

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