Was denkst du zum Thema Vergebung?

Kannst du vergeben?

Fällt es dir eher leicht oder ist es schwer für dich zu vergeben?

Es gab mal eine Zeit, da hat mich der Ärger, den ich gegenüber anderen Personen oder Situationen empfand richtig geschwächt.

Ich war total müde und matt und hatte keinen Antrieb mehr. Der Ärger musste nicht mal groß sein. Ich habe ihn lediglich einmal gespürt, trug ihn aber weiterhin mit mir herum, weil ich manche Dinge einfach nicht verstand. Zum Beispiel „Warum tat man mir das an?“ oder „Warum passierte das jetzt mir?“ – Ich habe mich zu einem Opfer dieser Umstände gemacht und war in meinen eigenen Gedanken gefangen. In einer Art Gerechtigkeitsfalle, bis mir eine Sache klar wurde – und glaub mir, das hat gedauert.

Es wird niemand in dein Leben kommen und sich für irgend etwas entschuldigen, 
das du als ungerecht oder verletzend empfunden hast.

Meistens wissen die Menschen, die uns verletzten nicht mal, dass sie es taten und in den meisten Fällen taten sie es nicht aus der Absicht heraus dich zu verletzen. Häufig sind sie mit ihren eigenen Problemen und persönlichen Verletzungen beschäftigt und verstehen nicht, dass sie anderen damit vor den Kopf stoßen.

Auch wir werden Menschen um uns herum mit unserem Verhalten verletzt haben – und es wird uns nicht mal bewusst gewesen sein…

Hurt People hurt people

„Verletzte Menschen verletzen Menschen“

Ein Spruch, der zu diesem Thema wirklich passt.

Meistens hat es wenig mit uns zutun, wenn uns jemand anderes verletzt. Es ist ein Problem des anderen.
Das hilft uns nur in dem Moment nicht wirklich weiter. Wenn du die Chance hast, dann solltest du es direkt ansprechen. Wenn nicht, versuch dich mit diesem Ärger nicht länger aufzuhalten als unbedingt notwendig.

Das heißt, steigt der Ärger in Form von Wut oder Trauer in dir hoch, spüre dieses Gefühl – aber steigere dich nicht hinein, indem du allerlei Dinge die die Tat hinein interpretierst. Denke, dir im Stillen:

„Dieser Mensch braucht eigentlich auch nur Liebe“

und lass von diesem Moment so schnell es geht wieder ab.

Denn, wenn du dich schlecht fühlst und du diesen Vorfall mit dir herumträgst, legst du dir unsichtbare Ketten an. Da hast du nichts von und bei dem Menschen, der deinen Kummer verursachte, löst du damit keine Schuldgefühle aus – vielleicht passiert sogar genau das Gegenteil…

Durch diese Erfahrung, die du mit der Person gemacht hast, hast du einen negativen Filter über sie gelegt und jetzt wird alles, was sie macht oder lässt analysiert und mit den Vorerfahrungen abgestimmt. Meistens findest du noch mehr „schlechte“ Dinge, die du wieder in dein Gedankengeflecht einarbeiten kannst, um dich (wer hätte es gedacht) noch schlechter zu fühlen.

Groll mit uns herumtragen ist wie das Greifen nach einem glühenden Stück Kohle in der Absicht, es nach jemandem zu werfen. Man verbrennt sich nur selbst dabei.

Buddha

Also welchen Vorteil haben wir jetzt davon, uns so massiv von unseren negativen Gedanken durch diese Verletzungen (meist aus der Vergangenheit) beeinflussen zu lassen und unseren Rucksack immer schwerer werden zu lassen?

GAR KEINEN!!

Gerechtigkeit ist ein Einhorn

Wie oben schon erwähnt, wir landen häufig in dieser Gerechtigkeitsfalle. Wir erwarten vielleicht, dass man sich bei uns entschuldigt – am besten für alles was wir in unserem Leben erdulden mussten.

Überlege mal, was würde sich ändern, wenn es tatsächlich so wäre?
Plötzlich steht dein Vater vor der Tür und entschuldigt sich, weil er dich als Kind vernachlässigt hat…
Was passiert dann? Wäre dein Leben plötzlich ein anderes? Würdest du nun all die Dinge machen, die dir „verwehrt“ blieben?
Ich glaube nicht…

Wir sitzen da und schmollen, weil die Welt so ungerecht erscheint.

Es ist und bleibt ein Wunschgedanke, den wir ablegen dürfen, um ein befreites und glücklicheres Leben zu führen. Ein Leben im Hier und Jetzt.
Denn alles andere wäre die Hoffnung auf eine andere Vergangenheit – und die ist bekanntlich vorbei und lässt sich nur schwer bis gar nicht ändern.

Du hast auch hier die Wahl – für was entscheidest du dich?
Für ein Leben als verletztes Entlein oder ein Leben als starker und machtvoller Adler.

Ich denke, diese Frage ist leicht zu beantworten.

Aber wie soll das nun möglich sein?

Vergebung – Die geheime Kraft

Ich würde das Wort auch noch dicker schreiben, oder noch größer machen, damit du erkennst, wie nützlich Vergebung in deinem Leben sein kann.

Vergebung ist eine wirklich mächtige Kraft, die dir helfen soll, deinen Rucksack mit all deinen negativen Erlebnissen, ein für alle Mal abzulegen und deine Vergangenheit, hinter dir zu lassen.

Vielleicht sagst du jetzt:

ABER

…da gibt es etwas, das mir passiert ist, das lässt sich absolut nicht verzeihen. Das ist so groß – das kann ich nicht „einfach“ vergeben.

Es gibt solche Vorfälle, die sich wirklich tief in unser Leben schneiden. Dinge, die man sich keinem wünscht. Dinge, die man verdrängt hat und dennoch steigen sie immer wieder auf, wenn wir durch irgend etwas im Jetzt getriggert werden…

Und besonders für solche Fälle ist Vergebung so hilfreich und essentiell.

Vielleicht denkst du bei Vergebung in erster Linie an die andere Person. Dem Menschen, dem du die Taten vergibst. Die Person, die alles verdient hätte – aber sicherlich keine Vergebung.

Dann lass mich dir sagen, Vergebung ist für dich.
Mit der Vergebung legst du die Ketten ab, die dich mit der anderen Person und mit der Vergangenheit verbinden.

Und das ist auch schon das eigentliche Ziel.
Du löst deinen Groll, der dir schadet und der anderen Person nicht mal bewusst ist (oder sogar egal ist) auf.

7 Schritte zur Vergebung

  1. Werde dir bewusst, dass du an dem Groll vergangener Taten festhältst
  2. Überlege dir, was dich an der damaligen Situation so sehr verletzt hat.
  3. Schließe deine Augen:
    Entdecke die Emotion in dir und fühle sie für einen Moment bewusst (nicht mehr hinein interpretieren – nur beobachten!)
  4. Sage dir selbst: „dieses Gefühl ist gerade Willkommen und darf da sein.“
  5. Jetzt versuche dir die Person von deinem inneren Auge vorzustellen, der du vergeben willst und sage ihr:
    „Ich vergebe dir alles, was du mir angetan hast und übernehme wieder die volle Kontrolle über meine Gedanken und mein Handeln. Ich löse meine Verbindung zu dir auf und danke dir, für diese Erfahrung in meinem Leben.“
  6. Spüre was mit dir passiert, wenn du der Person das gesagt hast.
  7. Komme wieder zurück in das Hier und Jetzt.
Das, was ich hier schreibe, sind Hilfestellungen und Denkanstöße, damit du dich besser fühlst und 
vielleicht aus einer anderen Perspektive siehst. 
Sie ersetzen keine psychotherapeutische Behandlung. Bitte lass dir bei Problemen, die dich verfolgen, 
wirklich professionell helfen!

Bleib glücklich und schreibe mir, was du von dem Thema hältst,

Deine Julia

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