Gerechtigkeit – ist das Wunschdenken?

Gerechtigkeit

Stell dir einmal vor, du siehst drei Menschen auf einem Zuggleis und ein Zug naht. Du stehst  an einem Weichensteller und hast die Möglichkeit den Zug noch rechtzeitig in eine andere Richtung zu lenken. 

Du schaust auf das andere Gleis, auf das der Zug nun hingeleitet wird. Auf diesem Gleis siehst du auch einen Menschen. 

Entscheidest du dich, den Zug umzuleiten? Es wird in jedem Fall mindestens ein Menschenleben kosten. Welches das ist, wählst du.

Gar nicht so einfach.
Einige würden sagen: „Lieber rette ich drei Menschen, als einen.“

Aber stell dir jetzt vor, die eine Person auf dem Gleis, kennst du und hast mit ihr ein gutes Verhältnis. 

Wie würdest du dich jetzt entscheiden?

Ist es gerecht, die drei Menschen sterben zu lassen, weil du die eine Person kennst? 

Und was wäre, wenn du mit einer der Personen auf den Gleisen ein schlechtes Verhältnis hättest?

Wie würde deine Entscheidung dann ausgehen?

Ich weiß, das sind gewagte Gedankenexperimente, aber dieses hier zeigt dir sehr deutlich, dass “Gerechtigkeit” gar nicht so einfach zu definieren ist – ich würde sogar behaupten, so etwas wie DIE Gerechtigkeit gibt es nicht.

In diesem Beitrag soll es genau darum gehen.

Ich möchte dir das Thema Gerechtigkeit etwas näher bringen. 

Hierbei handelt es sich natürlich neben meiner Recherche auch um meine eigene Meinung und meine Erfahrung – Du kannst und darfst es natürlich völlig anders sehen, fühl dich frei auch deine Meinung dazu mitzuteilen.

Folgende Punkte werden dir hier begegnen

  • Was ist Gerechtigkeit?
  • Gerechtigkeit – ist ein Mythos?
  • Die Gerechtigkeitsfalle
  • Der Vergleich macht unglücklich
  • Mein Fazit ist Gerechtigkeit ein Egoproblem?

[su_heading size=“20″]Was ist Gerechtigkeit?[/su_heading]

Eine Definition der Gerechtigkeit lieferte der römische Jurist Ulpian (170 – 228 n. Chr)
Er sagte: “Gerechtigkeit ist der feste und dauernde Wille, jedem sein Recht zuzuteilen.”

Ich stelle mir da die Frage, wenn von “seinem Recht” die Rede ist, nach welchen Kriterien wurde das bestimmt?

Seit der griechischen Antike gilt die Gerechtigkeit als höchste Tugend im sozialen Zusammenleben. 

Tauschgeschäfte, zum Beispiel, wurden als gerecht anerkannt, wenn die Leistung und die Gegenleistung miteinander vergleichbar waren. 

Und das gilt auch heute noch. 

[su_heading size=“20″]Gerechtigkeit – ist ein Mythos?[/su_heading]

Zumindest gilt diese Erwartung in unseren Köpfen. Besonders, wenn es um uns selbst geht oder um uns nahe stehende Personen.  

Wird jemand (für uns) zu unrecht bevorzugt, empfinden wir das als ungerecht. 

Die Gerechtigkeit soll eine Art Gleichstellung schaffen. 

Ungerechtigkeit herrscht daher fast überall, denn Menschen und Situationen sind zu verschieden, um eine Regelung für alle und alles zu treffen. 

Die Unterschiede der Gehälter in den verschiedenen Branchen oder auch die Gehälter im Geschlechtervergleich, sind nur ein Beispiel, an dem ich erkenne, dass Gerechtigkeit sehr viel komplexer aufrechtzuerhalten ist, als wir es uns wünschen oder vorstellen.

Wenn wir zu einer dieser Gruppen gehören, fühlen wir uns ungerecht behandelt. 

Auch wenn wir uns Gerichtsverhandlungen anschauen, wird schnell klar, so etwas wie eine totale Gerechtigkeit gibt es nicht. Dort werden “Ausnahmeregelungen“ geschaffen und Ausnahmen von Ausnahmen. Man versucht eine Gerechtigkeit dort zu schaffen, wo eigentlich Ungleichheit herrscht.

Es gibt also keine Gerechtigkeit – denn mit der Gerechtigkeit müsste auch eine Gleichheit herrschen und das Prinzip der Natur ist Verschiedenheit.

Wenn alle die gleichen Voraussetzungen bekämen, wären die Resultate dennoch verschieden, weil Menschen individuell reagieren und agieren. Sollen die Resultate gleich sein, so müssten die Voraussetzungen unterschiedlich sein. Deshalb ist es unmöglich, Gerechtigkeit (Gleichheit) bei den Voraussetzungen und bei den Resultaten zugleich zu erreichen. 

[su_heading size=“20″]Die Gerechtigkeitsfalle[/su_heading]

Wenn Gerechtigkeit einen sehr hohen Wert in deinem Leben besitzt, dann kannst du schnell in die Gerechtigkeitsfalle tappen und dir damit dein Leben unnötig erschweren. 

Häufig kannst du das erkennen an Aussagen wie:

„Wenn ich als Kind bessere Möglichkeiten gehabt hätte und besser gefördert worden wäre, dann wäre ich nicht da, wo ich heute bin!“ 

Oder

„Wenn ich die Leistung erbringen soll, dann muss ich die gleichen Chancen haben wie XY!“

Hier möchten wir unsere Probleme mit einer vermeintlich fehlenden Gerechtigkeit rechtfertigen.

Das wird sich nie ändern, wenn wir nicht aufpassen und anfangen unsere Situation tatsächlich eigenverantwortlich zu analysieren und anzupassen. Es wird immer wieder etwas Ungerechtes geschehen und wir machen unser Leben von den äußeren Umständen komplett abhängig. 

Die Gerechtigkeitsfalle, also der Gedanke an die ständige Ungerechtigkeit, blockiert unser tatsächliches Potential. Wir geben auf, an unseren Zielen zu arbeiten. Ungerechtigkeit lässt sich auch wunderbar als Ausrede nutzen, um gar nicht erst anzufangen, etwas besseres aus unserem Leben zu machen. 

Für mich hatte Gerechtigkeit auch immer einen hohen Wert. Bis ich begriffen habe, dass es die absolute Gerechtigkeit nicht geben wird. 

Ich selbst versuche möglichst gerecht zu entscheiden, aber auch das ist rein subjektiv.

Stell dir einfach vor, ich sei Lehrerin und müsste dich und deinen Freund benoten. 

Du glaubst, deine Arbeit ist mindestens so gut, wenn nicht sogar besser, als die deines Freundes. 

Ich gebe deinem Freund jedoch die bessere Note. Ich begründe das mit den besseren Beiträgen im Unterricht, die dein Freund liefert.

Hier spielt natürlich auch meine subjektive Sicht eine Rolle. Ein anderer Lehrer hätte durchaus anders entscheiden können. Ist das gerecht? 

[su_heading size=“20″]Der Vergleich macht unglücklich[/su_heading]

Wenn wir uns mit anderen vergleichen katapultieren wir uns fast schon automatisch in diese Gerechtigkeitsfalle. Denn wie schon erwähnt, lassen sich gerade menschliche Fähigkeiten oder Eigenschaften nur schlecht miteinander vergleichen. 

Jeder bekommt andere Karten ausgeteilt – startet also mit anderen Voraussetzungen. Und mit diesen Karten muss er spielen. Da bringt es gar nichts, darüber zu meckern, dass der andere bessere Karten hat. Viel schlauer ist es, zu akzeptieren: Das sind die Karten, die ich habe. 

Mit denen muss ich zurechtkommen, und ich sollte mir jetzt überlegen, welche Chancen ich mit diesen Karten habe. 

[su_heading size=“20″]Mein Fazit ist Gerechtigkeit ein Egoproblem?[/su_heading]

Wenn wir uns das Problem von oben nochmal anschauen, siehst du, dass es sich um persönliche Ungerechtigkeiten handelt. Deine Empfindung, dass die Benotung hier ungerecht war, löst diesen Ärger in dir aus. 

Wenn sich die Situation umdreht und du an der Stelle bevorzugt worden wärst, hättest du vielleicht von Gerechtigkeit gesprochen. Alles andere wäre dir erstmal egal gewesen. Vielleicht hättest du deinen Freund noch getröstet, aber innerlich geglaubt, das es so richtig war. 

Also ist der Beweggrund nicht die vermeintliche Gerechtigkeit, sondern eher Eifersucht oder Neid?

Wie siehst du das?

Ich denke dieses Thema kann noch weiter in die Tiefe gedacht werden, das würde diesen Blogartikel jedoch sprengen. Es soll auch eher ein Gedankenimpuls sein, der uns daran erinnert, dass wir unsere Energie sinnvoll einsetzen und nicht unnötig mit Groll und Frust verschwenden.

Warum sollten wir zulassen, dass wir uns unser Leben vermiesen, nur weil jemand anderes „mehr“ bekommt als wir? 

Dein Leben ist mit keinem da draußen zu vergleichen – nutze deine einzigartigen Talente und Stärken, um aus deinem Leben ein Meisterwerk zu machen.

Bleib glücklich,

Deine Julia

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Bildquelle:

Photo by Fidel Fernando on Unsplash

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